30 Apr. 2026
Jazztag
30 Apr. 2026Über das Event
Der 30. April ist der International Jazz Day, das größte Jazzfest der Welt. Er wurde 2011 von der UNESCO auf Initiative des legendären Pianisten Herbie Hancock ins Leben gerufen. Jazz ist hier nicht nur ein Musikgenre, sondern ein Symbol für Freiheit, Gleichheit und interkulturellen Dialog. Der Tag wird in mehr als 190 Ländern auf allen sieben Kontinenten gefeiert — von intimen Auftritten in Bars bis zu monumentalen Gala-Konzerten.
Chicago — die Hauptstadt des Jazz Day 2026
Im Jahr 2026 läuft alles in einem Punkt zusammen: Chicago wurde zur globalen Gastgeberstadt gewählt, und das fällt mit gleich drei Jubiläen zusammen — dem 15. Jahrestag des Jazz Day, dem 250. Jubiläum der Vereinigten Staaten und dem 100. Geburtstag von Miles Davis.
Chicago ist kein Zufall. In den 1920er-Jahren fuhren Jazzmusiker mit Dampfschiffen den Mississippi hinauf aus New Orleans und fanden hier ein kreatives Zuhause. Louis Armstrong, Nat King Cole und Dinah Washington prägten den Jazz gerade in Chicago neu. Das Viertel Bronzeville war ein Epizentrum der Jazzkultur, und die Clubs der Stadt wurden zu Laboren eines neuen Sounds.
Das Programm für 2026 umfasst eine ganze Woche voller Events: die immersive Ausstellung „Tangible Sound“ im Chicago Cultural Center, Jazz-Bustouren zu legendären Clubs, eine orchestrale Neuinterpretation von Miles Davis’ Sketches of Spain durch die Chicago Jazz Philharmonic und als Höhepunkt das All-Star Global Concert in der Lyric Opera of Chicago am 30. April mit einer Rekordzahl an Künstlerinnen und Künstlern: Herbie Hancock, Jacob Collier, Marcus Miller, Renée Fleming, Dee Dee Bridgewater, Kurt Elling und viele mehr. Die Übertragung geht um die ganze Welt.
Woher der Jazz kommt
Jazz wurde an einer Schnittstelle geboren: Afrikanische Rhythmen, die von versklavten Menschen mitgebracht wurden, trafen Ende des 19. Jahrhunderts in den Straßen von New Orleans auf europäische Harmonik. Von dort breitete er sich über Chicago, New York und Paris in die ganze Welt aus — und wurde zur ersten wirklich globalen Musik. Spirituals, Blues, Ragtime — all das sind Wurzeln desselben Baums. Danach kamen Swing, Bebop, Cool Jazz, Fusion, Free Jazz ... Jedes Jahrzehnt brachte seine eigene Revolution.
Fünf Fakten über Jazz
- Improvisation ist kein Chaos. Jazzmusiker improvisieren innerhalb einer harmonischen Struktur. Es ist wie ein Gespräch: Es gibt ein Thema, aber jeder bringt etwas Eigenes ein. Genau deshalb gleicht keine Live-Performance der anderen.
- Miles Davis wird 100. 2026 feiert die Welt das Jahrhundert eines Mannes, der den Jazz in jedem Jahrzehnt neu erfand: vom Bebop zum Cool Jazz, vom modalen Jazz zur elektrischen Fusion. Kind of Blue (1959) ist bis heute das meistverkaufte Jazzalbum aller Zeiten.
- Scat entstand zufällig. Der Legende nach ließ Louis Armstrong während einer Aufnahme sein Blatt mit dem Text fallen und begann stattdessen, mit Silben zu improvisieren. So entstand Scat — eine Gesangstechnik, die zu einem Markenzeichen des Jazz wurde.
- Jazz und das All. 1977 wurde an Bord der Voyager-Sonde eine Goldene Schallplatte mit Musik für mögliche außerirdische Zivilisationen mitgenommen. Unter den 27 Tracks befindet sich auch Louis Armstrongs Jazzaufnahme „Melancholy Blues“.
- 190+ Länder. Der International Jazz Day wird von der Antarktis bis Island gefeiert. 2016 war das Weiße Haus Gastgeber — das Konzert wurde von Barack Obama moderiert.
Was schenkt man einem Jazzliebhaber?
- Vinyl — Kind of Blue von Miles Davis, A Love Supreme von Coltrane oder Head Hunters von Herbie Hancock. Im Jubiläumsjahr von Miles ist das besonders symbolisch.
- Tickets für Live-Jazz — ein Clubkonzert, Festival oder Jam-Session. Jazz muss man live hören — das ist sein Wesen.
- Ein Buch — But Beautiful von Geoff Dyer, Miles: The Autobiography oder Jazz von Toni Morrison.
- Ein Streaming-Abo mit gutem Jazzkatalog — Tidal, Qobuz oder Apple Music mit Dolby Atmos. Klangqualität ist im Jazz entscheidend.
- Ein Cocktail-Set — Jazz und eine gute Bar gehören zusammen. Shaker, Jigger, Bitters und ein Rezept für einen Old Fashioned.
- Ein Improvisations-Workshop — auch für Menschen, die keine Musiker sind. Das Prinzip der Jazzimprovisation zu verstehen heißt, freies Denken zu verstehen.